Sonntag, 18. Januar 2015

Wie bereite ich Schüsse und Pässe vor?

Ihr analysiert gerade die gegnerische Deckung und erkennt, dass euer Lieblingsschuss-des-Todes frei ist. Den führt ihr dann in höhster Präzision aus. Und das macht ihr auf dem Geschwindigkeitslevel "brutalst schnell". aber der Torwart hält ihn. Hat ihn einfach so rausgefahren. Nur wie hat er das gemacht?

Keiner will es zugeben, aber jeder hat einen Ansatz. Ein bisschen wie mit dem Lesen der Bild.

Ein guter Torwart kann ihn lesen, auch wenn der Ansatz mit zunehmendem Niveau immer kleiner wird. In diesem Artikel werde ich euch ein paar Ideen vorstellen, wie man es dem Gegner erschweren kann, euren Ansatz beim Schießen oder Passen zu erkennen. Dieses Konzept ist als Denkanstoß gedacht, um sich seiner Wirkung beim Schießen, Passen und Täuschen besser bewusst zu werden. Als Beispiel werde ich von einem Pin-Shot oder Jet von der 3 sprechen. Diese Idee lässt sich ganz einfach weiter generalisieren und genauso für Schüsse und Pässe von der 5 oder dem Abwehrbereich anwenden.

Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Ausgangssituationen, aus denen die Aktion (Schuss oder Pass) eingeleitet wird. Die Ausgangssituation kann rhythmisch oder arhythmisch sein.

Bei einer rhythmischen Ausgangssituation wird ein bestimmtes Muster immer wieder wiederholt. Der eingeklemmte Ball wird zum Beispiel immer ein Stück hin- und hergerollt. Man kann aber auch in einem bestimmten Muster mit dem Ball wandern. Sobald eine Veränderung eintritt, wie zum Beispiel eine andere Position der Figur am Ball oder eine veränderte Geschwindigkeit, mit der der Ball wandert, ist dies ein Ansatz den der Torwart erkennt.
Je besser der Torwart ist desto feinere Abweichungen wird er als Ansatz erkennen und im Falle eines Schusses mit bestimmten Optionen verknüpfen die der Stürmer kann oder nicht kann und demnach seine Reaktion anpassen. An dieser Stelle muss man gut beobachten und bewusst Ansätze einstreuen, auf die kein Schuss folgt. Dies sind Täuscher.
Kleiner Tipp: Kleine Störungen in den Ausgangsrhythmus einbauen, damit der Ansatz schwieriger zu erkennen ist.
Diese Ausgangssituation hat den Vorteil, dass man den Schuss aus weniger Ansätzen können muss und die Ansätze die eine Reaktion beim Torwart auslösen sehr subtil sein können. Wenn der Schuss gut in den Rhythmus eingebaut ist, also der Schuss in die Erwartungshaltung des Torwartes passt, ist der Schuss sehr schwierig rauszureagieren. Nachteilig ist, dass der Übergang von der Ausgangsbewegung in den Schuss besonders sauber sein muss und dass die Einsätze ein bestimmtes Muster haben. Hierdurch hat man wenig Freiheit beim Schießen auf sich rhythmisch öffnende Lücken. Wenn die Lücke sich allerdings regelmäßig mit kurzer Periode öffnet (z.B. beim shuffeln), kann man seinen Rhythmus an den des Torwarts anpassen.
Gut nutzen kann man eine rhythmische Ausgangssituation auch, wenn der Torwart vorhersehbar auf die eigenen Bewegungen reagiert. Beispielsweise wenn man mit dem Ball in einem festen Rhythmus immer abwechselnd einen Schritt nach links und dann nach rechts macht. Manche Torhüter fahren immer ein Stück mit dem Ball mit. Dann wandert man ein bisschen hin und her bis der Fokus des Torwarts nachgelassen hat und schießt dann direkt nach einem Schritt nach links in die dann dann offene rechte Ecke.
Man kann dieses System auch dadurch ausnutzen, dass der Torwart nach einem Schritt in die eine Richtung immer eine Aktion in die andere erwartet. Wenn man dann in diese Richtung schießt, ist es schwieriger für den Torwart den Schuss vom Rhythmus zu unterscheiden. Oder wenn man einen Täuscher einbaut, indem man zwei mal hintereinander einen Schritt nach links macht. Das wird dann direkt als Ansatz erkannt und der Torwart fährt mit. Als nächstes ist dann rechts offen.
Es lohnt sich also auch das Muster was man vorgibt auch mal ein bisschen zu verändern. Dies eröffnet einem neue Möglichkeiten die einfach zu spielen sind. Zum Beispiel wenn man auf der 5 den Ball im Tic-Tac  zwischen 1 und 2 (die beiden äußeren Figuren) laufen lässt. Anschließend lässt man ihn zwischen 1 und 3 laufen und dieses Muster wiederholt man einige Male. Aus diesem Muster lassen sich einige Optionen sehr einfach spielen, wie zum Beispiel mit der 1 den Pass an die Bande, mit der 2 den Pass auf die mittlere Figur oder mit der 3 den Schuss in die lange Ecke vom Tor. Diese Umstellung im Rhythmus hat mir Zugang zu einem komplett anderen Satz an Schüssen und Täuschern gegeben.

Bei einer arhythmischen Ausgangssituation streut man so viele Ansätze wie möglich hintereinander ein, sodass der Torwart nicht genau weiß auf welchen der Schuss folgt. Dies ist technisch anspruchsvoll, da man auf alle diese Ansätze auch einen Schuss können muss, aber man kann besser auf Lücken reagieren, die sich kurz und "unvorhersehbar" öffnen. Täuscher müssen meist härter gespielt werden, um eine starke Reaktion des Torwarts zu provozieren. Die Herausforderung für den Torwart ist, dass dieser sehr viele Täuscher sieht, und sich entscheiden muss, auf welche er reagiert. Wenn er auf alle Stärkeren reagiert, ist dies relativ vorhersehbar und er lässt sich auf das Spiel des Stürmers ein. Viele Stürmer streuen einige harte Täuscher hintereinander ein, bis der Torwart nicht mehr reagiert und in der Mitte vom Tor stehen bleibt. Dann sind beide Ecken offen.
An dieser Stelle auch ein Tipp an Torhüter. Dieses Spiel kann man durch Locken schlecht bestimmen. Besser ist es meistens auf Täuscher garnicht zu reagieren und ein schwer antizipierbares Muster vorzugeben.

Die Wahrheit sieht leider nicht ganz so einfach aus, denn die Grenze zwischen rhythmisch und arhythmisch ist fließend und wird von jedem Torwart anders interpretiert. Je besser der Torwart ist, desto mehr wird er als rhythmisch interpretieren können und unbewusste Signale, die den Unterschied zwischen Täuscher (Ansatz ohne Schuss) und Ansatz (mit folgendem Schuss) bedeuten, erkennen können. Genauso wird er bestimmte Muster erkennen die zu einem bestimmten Schuss führen. Die meisten Spieler spielen eine Mischung aus  rhythmisch oder arhythmisch. Und dieses Modell hilft dann beim Verständnis was Täuscher sind und wie man diese einsetzen kann um den gewünschten Effekt zu kriegen. Insbesondere gibt es eine Erklärung für das alte Sprichwort meiner Oma: Je mehr Täuscher du spielst, desto weniger reagiert der Torwart. Je länger die Zeit bis zu einem Ansatz, desto stärker ist die Reaktion.

Was klappt wann?
Wenn der Schuss als solcher vom Torwart reagiert werden kann, dann bringt einem eine arhythmische Ausgangssituation nichts. Mit der rhythmischen Ausgangssituation hingehen, kann man bei dem Torwart eine gewisse Erwartung setzen. Dieser muss dann erstmal den Unterschied zwischen Rhythmus und Schuss erkennen und so kann man auch mit langsameren Schüssen erfolgreich sein.

Wie kann ich meinen Ansatz variieren?
Die Antwort hierauf ist nicht einfach umzusetzen, aber hier mal eine Liste an Optionen die man hat:

  • Wenn der Ball unter der Figur eingeklemmt ist und man eine seitliche Pendelbewegung ausführt, kann man die Geschwindigkeit der Seitwärtsbewegung variieren.
  • Man kann den Ball leicht seitlich mit der Figur einklemmen. Kann man dann noch beide Richtungen gleich gut schießen?
  • Bevor der Schuss kommt, kann man den Ball in oder gegen die Schussrichtung anreißen.
  • Man kann mit dem Ball wandern. Wanderungsrichtung und -geschwindigkeit, Schrittgröße und Schussrichtung kombiniert ergeben dann einen Ansatz.
  • Man kann von anderen Positionen aus schießen bzw. andere Längen schießen. Hierdurch ändert sich auch ein bisschen die Bewegung und der Ansatz.
  • Man kann sich vor dem Schuss bewegen. Heißt Hand/Arm oder restlichen Körper.
  • Man kann die Lateralbewegung des Schusses verlangsamen. Diese Verlangsamung kann zur Folge haben, dass der Torwart nicht mehr reagiert (weil er den Ansatz nicht erkannt hat bzw. dieser zu offensichtlich war) und man so ganz einfach außen um die Verteidigung schießen. Oft denkt man sich zwar langsamer, aber in Wirklichkeit war man nur lockerer. Dadurch ist dann weniger Anspannung da, wenn der Schuss eingeleitet wird und der Ansatz ist schwieriger zu erkennen.
  • Wie groß ist die Zeitspanne in der man schießt? -> einige Spieler schießen immer nach einer festen Zeit. Wenn ein Torwart das durchschaut hat, ist es egal ob der Schuss verschleiert wird, wenn er trotzdem zu dem gleichen Zeitpunkt kommt.


Zieher und Schieber mit ruhendem Ball sind rhythmisch. Da jede Abweichung von der Ausgangssituation (ruhender Ball und Figur neben diesem) ein Schuss oder Täuscher bedeuten. Diese Techniken kann man nur arhythmisch spielen, wenn man den Ball wandern lässt (siehe z.B. Ryan Moore).

Schüsse aus der Mitte werden überwiegend rhythmisch gespielt (wobei Jet rhythmischer sind als Pin-Shots) und Lang-Systeme überwiegend arhythmisch (außer Zieher und Schieber).

Schüsse aus dem Abwehrbereich, bei denen der Ball liegt, sind rhythmisch. Die sonstigen Ausgangssituationen bei Schüssen aus der Abwehr, bei denen der Ball läuft und öfters zwischen vorne und hinten eingeklemmt wechselt, sind arhythmisch.

Tic-Tac ist meistens rhythmisch. Hier ist das Ausholen der Figuren nach hinten ein sehr starker Ansatz für den Pass. Nach P4P Regelwerk ist die Anzahl der Bandenberührungen nicht begrenzt und hiermit lässt sich einfach arhythmisches Tic-Tac spielen.

Derzeit arbeite ich an einem Modell welches das Zusammenspiel von Offensive und Devensive etwas mehr durchleutet und dabei helfen soll eine bestimmte Offensive oder Defensive zu brechen. Mehr dazu in den nächsten Artikeln. :)

Autor: Fabian Wachmann

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Kommentare:

  1. "Zieher und Schieber mit ruhendem Ball sind rhythmisch." Muesste es nicht eher 'arhythmisch' heissen?

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  2. moin,
    der ruhende Ball ist ein absoluter Grenzfall für diese Definition. Ich bin weiterhin der Meinung, dass Zieher nach o.g. Definition rhythmisch sind.
    Denn:
    Die meiste Zeit ruht der Ball unter der Stange und die Figur daneben, dies ist die Ausgangssituation. Wenn du Schüsse antäuschen willst, kannst du nur den geraden antäuschen. Wenn du gezogene Schüsse antäuschen willst, gehört Ballbewegung dazu.
    Heißt um den Input an Ansätzen für den Torwart zu erhöhen (arhythmisch) muss sich der Ball bewegen.

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